HVO100 ersetzt fossiles Heizöl zu 100 Prozent durch hydriertes Pflanzenöl, Altspeisefett oder tierische Reststoffe und senkt die Lebenszyklus-Emissionen deutlich. Der Liter kostet derzeit 1,20 bis 1,30 Euro, rund ein Drittel mehr als Heizöl EL. Einbauen darf es nur, wessen Ölkessel dafür ausdrücklich freigegeben ist.
HVO100 kostet aktuell 1,20 bis 1,30 Euro pro Liter, fossiles Heizöl liegt laut Branchenangaben rund ein Drittel darunter. Der Unterschied kommt vor allem aus der Steuer: HVO zahlt den vollen Energiesteuersatz von über 47 Cent pro Liter, fossiles Heizöl nur rund 6 Cent. Dafür entfällt bei zertifiziertem HVO der CO2-Preis von aktuell 17 bis 20 Cent je Liter. Ohne schriftliche Kesselfreigabe des Herstellers erlischt bei vielen Geräten die Garantie. Eine eigene Produktnorm, die DIN TS 51603-8, befindet sich noch im Entwurfsstadium.
Was ist HVO100 und woraus wird es hergestellt?
HVO100 ist ein zu 100 Prozent paraffinischer Brennstoff aus hydriertem Pflanzenöl, Altspeisefett oder tierischen Reststoffen, der fossiles Heizöl ohne Beimischung ersetzt. Die Hydrierung entfernt Sauerstoffmoleküle aus dem Ausgangsfett und erzeugt eine Kohlenwasserstoffkette, die der von Heizöl EL chemisch sehr ähnlich ist.
Der Name steht für Hydrotreated Vegetable Oil. Drei Rohstoffgruppen dienen als Ausgangsmaterial: gebrauchtes Speiseöl aus der Gastronomie, tierische Fette aus der Schlachtabfallverwertung und pflanzliche Reststoffe wie Palmölmühlenabwasser. Reines Palmöl als Hauptrohstoff gilt in der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie als nicht nachhaltig und wird für zertifiziertes HVO ausgeschlossen.
Anders als Biodiesel (FAME) oxidiert HVO kaum und nimmt praktisch kein Wasser auf. Das Produkt bleibt deshalb über Jahre lagerstabil und friert laut Hoval erst bei minus 22 Grad Celsius (Hoval, Oktober 2023). Fossiles Heizöl EL trübt sich dagegen schon ab minus 6 bis minus 12 Grad ein, abhängig von den zugesetzten Kälteadditiven.
Was kostet HVO100 im Vergleich zu normalem Heizöl?
HVO100 kostet 1,20 bis 1,30 Euro pro Liter und liegt damit rund ein Drittel über dem Preis von fossilem Heizöl EL (neo-fuels.com, 15.05.2025). Den größten Teil des Aufpreises verursacht nicht der Rohstoff, sondern die Steuerlast.
Fossiles Heizöl zahlt nach dem Energiesteuergesetz nur rund 6 Cent Energiesteuer je Liter. HVO100 fällt dagegen unter den vollen Satz für paraffinische Kraftstoffe von über 47 Cent pro Liter, denselben Satz wie Diesel (neo-fuels.com, 15.05.2025). Dafür entfällt bei zertifiziertem HVO der nationale CO2-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz, der fossiles Heizöl 2026 und 2027 mit 17,4 bis 20,6 Cent pro Liter belastet (eigene Recherche, Kabinettsbeschluss vom 12.08.2026).
| Kostenfaktor | Heizöl EL (fossil) | HVO100 (zertifiziert) |
|---|---|---|
| Energiesteuer je Liter | ca. 6 Cent | über 47 Cent |
| CO2-Preis je Liter (2026/2027) | 17,4 bis 20,6 Cent | entfällt bei Zertifizierung |
| Marktpreis je Liter | Tagespreis, siehe Heizölrechner | 1,20 bis 1,30 Euro |
Ein Rechenbeispiel zeigt die Dimension: Bei einem 3.000-Liter-Tank und einem angenommenen HVO-Preis von 1,25 Euro kostet die Füllung 3.750 Euro. Liegt der aktuelle Heizölpreis bei 95 Cent je Liter, kostet die gleiche Menge fossiles Heizöl 2.850 Euro. Der Umstieg verursacht in diesem Fall 900 Euro Mehrkosten pro Tankfüllung, ohne Förderung oder CO2-Ersparnis gegengerechnet. Den aktuellen Tagespreis für die eigene Region liefert der Heizölrechner.
Steuersätze und CO2-Preis-Korridor ändern sich jährlich per Gesetz. Die genannten Werte gelten Stand Oktober 2026. Vor einer Kaufentscheidung lohnt ein Blick in die aktuelle Tabelle des Zolls zur Energiesteuer sowie in den jeweils gültigen BEHG-Preispfad, da beide Faktoren den Preisabstand zwischen HVO100 und fossilem Heizöl direkt verschieben.
Welche Ölheizungen sind für HVO100 freigegeben?
Nur Brennwertkessel mit ausdrücklicher Herstellerfreigabe dürfen mit HVO100 betrieben werden, sonst erlischt die Gewährleistung. Hoval gibt die Freigabe beispielsweise für die Baureihen MultiJet (12 bis 25 kW) und UltraOil (16 bis 300 kW) ab Baujahr 2022 (Hoval, Oktober 2023).
Andere Hersteller handhaben die Freigabe unterschiedlich, teils modellspezifisch, teils über nachträgliche Software- oder Düsenanpassung am Brenner. Vor dem Umstieg braucht es deshalb eine schriftliche Bestätigung des Kesselherstellers, nicht nur die Aussage des Heizölhändlers. Diese Bestätigung sollte Baujahr, Modellbezeichnung und die zulässige HVO-Beimischung bis 100 Prozent konkret benennen.
Vor dem ersten Befüllen empfiehlt Hoval eine Tankreinigung, weil Rückstände aus fossilem Heizöl mit HVO unerwünschte Verbindungen bilden können (Hoval, Oktober 2023). Eine Mischung von Alt-Heizöl-Resten mit frischem HVO100 im selben Tank ist aus demselben Grund zu vermeiden.
Viele Heizungsbauer kennen die Hersteller-Freigabeliste für HVO100 nicht auswendig, weil sie sich mehrmals im Jahr ändert. Der schnellste Weg ist der direkte Anruf bei der technischen Hotline des Kesselherstellers unter Angabe der Typenschild-Nummer. Wer die Freigabe schwarz auf weiß bekommt, sollte sie zusammen mit der ersten HVO100-Lieferrechnung aufbewahren, denn genau diese zwei Dokumente verlangt die Versicherung im Schadensfall als Nachweis.
Welche Norm regelt paraffinisches Heizöl wie HVO100?
Für HVO100 als Heizöl existiert noch keine fertige DIN-Norm, sondern erst der Normentwurf DIN TS 51603-8. Bis zur Verabschiedung richten sich Lieferanten freiwillig an bestehenden Spezifikationen für paraffinische Kraftstoffe.
Fossiles Heizöl EL ist seit Jahrzehnten über die Norm DIN 51603-1 für Heizöl geregelt, die Mindestanforderungen an Dichte, Flammpunkt und Schwefelgehalt festlegt. Für paraffinisches Heizöl fehlt dieses verbindliche Pendant bisher. Der Normentwurf DIN TS 51603-8 ist beim Deutschen Institut für Normung als Vornorm gelistet und soll diese Lücke schließen (DIN Media, Normentwurf-Register, Stand 2026).
Solange die Norm nicht final ist, bleibt die Qualitätssicherung Sache des jeweiligen Lieferanten. Seriöse Anbieter weisen ein Analysezertifikat je Charge aus, das Dichte, Wassergehalt und Cetanzahl dokumentiert. Käufer sollten dieses Zertifikat vor der ersten Lieferung einfordern, genau wie beim RAL-Gütezeichen für fossiles Heizöl.
Gilt für HVO100 Heizöl die CO2-Steuer?
Zertifiziertes HVO100 ist vom nationalen CO2-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz befreit, weil es als biogen und klimaneutral eingestuft gilt. Fossiles Heizöl zahlt diesen Aufschlag weiterhin voll.
Die Befreiung gilt nur mit gültigem Nachhaltigkeitszertifikat nach der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie, zum Beispiel über das System ISCC. Ohne dieses Zertifikat stuft der Zoll die Lieferung wie einen regulären fossilen Kraftstoff ein und verlangt den vollen CO2-Preis nach. Händler müssen das Zertifikat auf der Rechnung oder im Lieferschein ausweisen.
Wie sich der CO2-Preis für fossiles Heizöl 2027 weiterentwickelt, zeigt der Artikel zum CO2-Preis Heizöl 2027. Wer zusätzlich prüfen will, wie sich Ölheizungen generell in die gesetzlichen Vorgaben einfügen, findet die Grundlagen im Beitrag zum Heizungsgesetz (GEG) und Ölheizungen.
Für wen lohnt sich der Umstieg auf HVO100 und für wen nicht?
Der Umstieg lohnt sich vor allem für Betreiber neuerer, bereits freigegebener Brennwertkessel, die Fördermittel verlieren würden oder ihre CO2-Bilanz dokumentieren müssen. Für ältere Standardkessel ohne Freigabe und für preissensible Haushalte rechnet sich der Aufpreis selten.
- Wenn der Kessel jünger als fünf Jahre ist und der Hersteller die Freigabe schriftlich bestätigt, dann ist der technische Umstieg risikoarm möglich.
- Wenn eine Gewerbeimmobilie eine CO2-Bilanz für Kunden oder Berichtspflichten offenlegen muss, dann rechtfertigt der Imagegewinn oft den Aufpreis von rund einem Drittel.
- Wenn der Kessel älter als 15 Jahre ist und ohnehin bald ersetzt werden muss, dann lohnt eher der direkte Vergleich mit Wärmepumpe oder Hybridheizung als eine HVO100-Umstellung der Altanlage.
- Wenn das monatliche Heizbudget bereits knapp kalkuliert ist, dann frisst der Steueraufschlag von über 40 Cent je Liter jede CO2-Preis-Ersparnis wieder auf.
Vor der endgültigen Entscheidung lohnt der Blick in bestehende Förderprogramme: Der Beitrag zur Förderung für den Ausstieg aus der Ölheizung zeigt, welche Zuschüsse beim kompletten Heizungswechsel greifen und wann ein HVO100-Umstieg der bestehenden Anlage wirtschaftlich sinnvoller bleibt. Wer stattdessen eine neue Anlage plant, findet im Artikel zur Umrüstung auf einen Öl-Brennwertkessel weitere Entscheidungskriterien, und der Vergleich Bio-Heizöl vs. fossiles Heizöl ordnet HVO100 gegenüber anderen Alternativen ein.
Wo in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es HVO100 für Heizungen?
Ein flächendeckendes Angebot existiert 2026 noch nicht. Mittelständische Heizölhändler führen HVO100 regional und meist erst auf Anfrage, während große Markenanbieter das Produkt schrittweise aufnehmen.
Die Verfügbarkeit unterscheidet sich stark von Postleitzahl zu Postleitzahl, weil nicht jeder Tankwagen HVO100 getrennt von fossilem Heizöl transportiert und ein eigener Reinigungsvorgang zwischen den Ladungen nötig ist. Ein Preisvergleich über mehrere Händler lohnt sich deshalb stärker als bei fossilem Heizöl. Der Heizöl-Anbieter-Vergleich zeigt, welche Händler in der eigenen Region aktiv sind und wo sich eine direkte Preisanfrage zu HVO100 lohnt.
💬 Meine Einschätzung
Die gängige Annahme lautet, HVO100 sei ein Drop-in-Ersatz, den jeder Ölkessel ohne Umstellung verträgt. In der Praxis zeigen die Zahlen etwas anderes: Der größte Hürdenfaktor ist nicht die Technik, sondern die Steuer. Ein Kessel, der HVO100 problemlos verbrennt, hilft wenig, wenn der volle Energiesteuersatz von über 47 Cent pro Liter die CO2-Preis-Ersparnis mehr als auffrisst. Wirtschaftlich tragfähig wird der Umstieg vor allem dort, wo eine CO2-Bilanzpflicht oder ein Förderziel den Aufpreis rechtfertigt, nicht als reine Privatentscheidung zum Heizölpreis-Sparen. Wer trotzdem umsteigt, sollte die Freigabe und das Analysezertifikat als zwei getrennte Nachweise einfordern, denn beide werden im Streitfall mit Versicherung oder Hersteller einzeln geprüft.
- HVO100 kostet 1,20 bis 1,30 Euro pro Liter, rund ein Drittel mehr als fossiles Heizöl
- Energiesteuer auf HVO liegt bei über 47 Cent je Liter statt rund 6 Cent bei fossilem Heizöl
- Zertifiziertes HVO100 entfällt vom CO2-Preis, der fossiles Heizöl mit 17,4 bis 20,6 Cent je Liter belastet
- Ohne schriftliche Kesselfreigabe des Herstellers erlischt die Gewährleistung
- Eine eigene Produktnorm (DIN TS 51603-8) ist 2026 noch Entwurf, keine fertige Norm
Häufige Fragen zu HVO100 als Heizöl
Diese fünf Fragen tauchen bei HVO100 regelmäßig auf und ergänzen die Hauptkapitel um Detail-Aspekte, die beim Umstieg häufig übersehen werden.
Kann ich Restbestände von fossilem Heizöl mit HVO100 mischen?
Eine Mischung ist technisch möglich, aber nicht empfohlen. Rückstände aus fossilem Heizöl können mit HVO100 unerwünschte Ablagerungen bilden. Hoval empfiehlt vor dem Umstieg eine vollständige Tankreinigung statt einer Vermischung der beiden Brennstoffe.
Brauche ich einen neuen Brenner für HVO100?
Nicht zwingend, aber eine Herstellerfreigabe ist Pflicht. Manche Brennwertkessel wie bestimmte Hoval-Baureihen ab Baujahr 2022 sind bereits freigegeben, ältere Modelle benötigen oft eine Anpassung an Düse oder Steuerung durch den Hersteller.
Ist HVO100 wirklich klimaneutral?
Hersteller werben mit deutlichen Einsparungen gegenüber fossilem Heizöl über den gesamten Lebenszyklus, diese Werte stammen jedoch aus Herstellerangaben und hängen stark vom verwendeten Rohstoff ab. Nur zertifiziertes HVO mit Nachhaltigkeitsnachweis gilt steuerlich als biogen.
Wie lagerstabil ist HVO100 im Vergleich zu Biodiesel?
HVO100 ist deutlich stabiler als Biodiesel (FAME), weil es kaum oxidiert und wenig Wasser bindet. Es bleibt laut Hoval über Jahre lagerfähig und friert erst bei minus 22 Grad Celsius, während FAME schon bei niedrigeren Minusgraden Ausflockungen zeigen kann.
Was passiert mit Ölheizungen nach 2045 laut GEG?
Ab 2045 dürfen laut Gebäudeenergiegesetz keine rein fossilen Heizungen mehr betrieben werden. Synthetische und biogene Brennstoffe wie HVO100 bleiben nach dieser Frist ausdrücklich zulässig, sofern sie als klimaneutral zertifiziert sind.
Quellen und weiterführende Literatur
Für diesen Artikel wurden folgende Primärquellen ausgewertet. Alle Angaben zu Preisen und Steuersätzen wurden mit Stand-Datum versehen, da sich beide Größen jährlich ändern können.
- neo-fuels.com · neo-fuels.com · Branchenartikel „Synthetisches Heizöl: Was es wirklich kostet“ von Janin Wordel, veröffentlicht 15.05.2025, mit aktuellen Preis- und Steuerangaben zu HVO und fossilem Heizöl.
- Hoval · hoval.de · Fachbeitrag „Heizen mit Bioöl HVO“ vom Oktober 2023 zu freigegebenen Kesselbaureihen, Kältestabilität und empfohlener Tankreinigung.
- DIN Media · dinmedia.de · Normentwurf-Register zur DIN TS 51603-8 für paraffinisches Heizöl, Stand 2026.
- Gesetze im Internet · gesetze-im-internet.de · Volltext des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) als Rechtsgrundlage für den nationalen CO2-Preis.


