CO2-Preis Heizöl 2027: Was der neue Korridor wirklich kostet

Der CO2-Preis für Heizöl bleibt 2027 im Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2. Das zeigt der Kabinettsbeschluss vom 12. August 2026 zur dritten BEHG-Novelle. Umgerechnet kostet das 17,4 bis 20,6 Cent je Liter Heizöl zusätzlich, unverändert gegenüber 2026.

📋 Kurz zusammengefasst

Das Bundeskabinett hat am 12. August 2026 den Entwurf zur dritten BEHG-Novelle beschlossen. Der CO2-Preis für Heizöl bleibt 2027 im selben Korridor wie 2026: 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2, also rund 17,4 bis 20,6 Cent pro Liter zusätzlich. Für einen Haushalt mit 2.000 Liter Jahresverbrauch bedeutet das 347 bis 410 Euro CO2-Kosten pro Jahr. Der Bundestag berät den Entwurf seit dem 24. September 2026, verabschiedet ist er noch nicht. Ab 2028 übernimmt der freie EU-Emissionshandel ETS 2 die Preisbildung, dann fällt der nationale Deckel weg.

Was bedeutet der CO2-Preis-Korridor 2027 für Heizölkäufer konkret?

Der Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2 legt eine Unter- und Obergrenze fest, zwischen der sich die Zertifikate 2027 versteigern lassen. Für Heizölkunden ändert sich dadurch rechnerisch nichts gegenüber 2026, weil der Gesetzentwurf denselben Rahmen fortschreibt.

Zuständig ist das nationale Emissionshandelssystem nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Es verpflichtet Energieunternehmen, für jede verkaufte Tonne CO2 ein Zertifikat zu kaufen. Die Kosten reichen die Händler über den Literpreis an Hausbesitzer weiter. Für die Abrechnung nach dem Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz gilt 2026 ein Mittelwert von 60,00 Euro pro Tonne, das entspricht laut gesetze-im-internet.de der Mitte des damaligen Korridors.

Der Gesetzentwurf zur dritten BEHG-Novelle stammt vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Er verlängert den bestehenden Preispfad um ein weiteres Jahr, statt wie ursprünglich vorgesehen in den freien Markt zu entlassen. Das Umweltbundesamt veröffentlicht den für 2027 endgültig maßgeblichen Zertifikatspreis voraussichtlich Mitte Dezember 2026, sobald die Versteigerungsergebnisse vorliegen (Stand: ema-energiewelt.de, 16.09.2026).

⚠️ Wichtiger Hinweis

Der Kabinettsbeschluss vom 12. August 2026 ist ein Regierungsentwurf, kein geltendes Recht. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. Bis zur Verkündung kann sich der Korridor theoretisch noch ändern, auch wenn das bei der ersten Lesung am 24. September 2026 niemand ernsthaft angezweifelt hat.

Wie viel teurer wird ein Liter Heizöl durch den CO2-Preis 2027?

Ein Liter Heizöl verursacht rund 2,65 Kilogramm CO2. Bei 55 Euro pro Tonne liegt der Aufschlag bei 17,4 Cent je Liter, bei 65 Euro bei 20,6 Cent je Liter, jeweils inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Die Spanne zwischen Unter- und Obergrenze beträgt damit knapp 3,2 Cent je Liter. Wer seinen Jahresverbrauch kennt, kann die CO2-Kosten direkt überschlagen. Die folgende Tabelle rechnet drei typische Tankgrößen durch, auf Basis der zitierten Umrechnungswerte von ema-energiewelt.de (Stand 16.09.2026):

Jahresverbrauch CO2-Kosten bei 55 €/t CO2-Kosten bei 65 €/t Differenz
1.500 Liter 261 Euro 309 Euro 48 Euro
2.000 Liter 347 Euro 410 Euro 63 Euro
3.000 Liter 522 Euro 618 Euro 96 Euro

Die Werte für 2.000 Liter stammen direkt aus der Beispielrechnung von heizsparer.de (Stand 01.09.2026), die Werte für 1.500 und 3.000 Liter sind eigene Hochrechnungen auf Basis der dort genannten Cent-pro-Liter-Sätze. Welcher Wert innerhalb des Korridors am Ende greift, legt die Bundesregierung über die Versteigerungsbedingungen fest, nicht der einzelne Händler.

Wie wirkt sich das auf den aktuellen Heizölpreis aus?

Der CO2-Preis ist nur ein Baustein des Gesamtpreises. Rohölpreis, Raffineriemarge, Dieselpreis-Kopplung und Händlermarge bestimmen den Rest. Die laufende Preisentwicklung und den aktuellen 1-Liter-Heizöl-in-kWh-Umrechnungswert zeigt der Heizöl-Rechner von heizoel.org tagesaktuell an.

💡 Expert Insight

Viele Händler weisen den CO2-Anteil seit 2024 getrennt auf der Rechnung aus, weil das Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz das bei vermieteten Immobilien vorschreibt. Wer diese Position bisher übersehen hat, findet sie meist als eigene Zeile zwischen Netto-Warenwert und Mehrwertsteuer. Ein Vergleich der letzten zwei Rechnungen zeigt, ob der Händler den Mittelwert des Korridors oder den jeweiligen Tagespreis der Zertifikatsbörse EEX weiterreicht. Beides ist zulässig, macht aber einen Unterschied von mehreren Cent je Liter.

Welche Fristen gelten im Gesetzgebungsverfahren bis zur Verkündung?

Vier Termine bestimmen, wann der Korridor für 2027 endgültig feststeht: der Kabinettsbeschluss, die Bundestags-Drucksache, die erste Lesung und die Verkündung. Erst danach gilt der Preis rechtssicher.

Der Ablauf im Überblick, mit allen bislang bekannten Daten:

  1. 12. August 2026: Bundeskabinett beschließt den Regierungsentwurf zur dritten BEHG-Novelle (55. Kabinettssitzung).
  2. 7. September 2026: Der Entwurf liegt dem Bundestag als Drucksache 21/7869 vor.
  3. 24. September 2026: Erste Lesung im Bundestag, anschließend Beratung im Umweltausschuss.
  4. Herbst 2026: Zweite und dritte Lesung im Bundestag, danach Befassung im Bundesrat.
  5. Mitte Dezember 2026: Das Umweltbundesamt veröffentlicht den für 2027 maßgeblichen Zertifikatspreis, sobald die Versteigerungsergebnisse der European Energy Exchange vorliegen.
  6. Tag nach Verkündung: Das Gesetz tritt laut Entwurf unmittelbar nach der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft.

Bis zur Verkündung bleibt der Korridor ein Entwurfswert. Hausbesitzer, die jetzt eine Rahmenvereinbarung mit Festpreis für die Heizsaison abschließen, sollten beim Händler nachfragen, ob dieser den CO2-Anteil nach dem aktuellen Mittelwert (60 Euro pro Tonne) oder nach dem künftigen EEX-Tagespreis kalkuliert.

Lohnt es sich, jetzt vor 2027 Heizöl zu bunkern?

Nein, allein wegen des CO2-Preises lohnt sich das Vorziehen des Kaufs 2026 nicht. Der Korridor für 2027 entspricht dem von 2026, eine Preissteigerung durch die CO2-Komponente ist im Regelfall nicht zu erwarten.

Die Entscheidung hängt von drei Faktoren ab, die unabhängig vom CO2-Preis wirken:

Situation Handlungsempfehlung
Tank ist unter 40 % gefüllt und Rohölpreis zeigt saisonal nach unten Jetzt bestellen, Preisvorteil nutzen, CO2-Anteil bleibt stabil
Tank ist über 60 % gefüllt Warten, bis die Füllmenge wirtschaftlich eine volle Lieferung rechtfertigt
Rahmenvertrag mit Festpreis für die ganze Saison geplant Vertrag prüfen, ob CO2-Komponente separat oder im Festpreis enthalten ist
Tankgröße noch unklar Vorher mit dem Heizöl-Rechner den Bedarf ermitteln, danach bestellen

Wer ohnehin plant, den Lieferanten zu wechseln, profitiert stärker von einem Blick in den Heizöl-Anbieter-Vergleich als vom Versuch, dem CO2-Preis auszuweichen. Die Spanne zwischen günstigen und teuren Händlern liegt regional oft höher als die 3,2 Cent Unterschied zwischen Unter- und Obergrenze des CO2-Korridors.

Was ändert sich 2028 durch den Wechsel zum EU-ETS 2?

Ab dem 1. Januar 2028 löst der europäische Emissionshandel ETS 2 das nationale BEHG-System ab. Dann entfällt der politisch gesetzte Preiskorridor, der Preis bildet sich frei am Markt über Angebot und Nachfrage der Zertifikate.

Das bedeutet für Heizölkunden eine echte Unsicherheit, die größer ist als alles, was der Korridor 2026 und 2027 bislang gezeigt hat. Die Versteigerungen für ETS 2 beginnen bereits im Januar 2027, parallel zum noch laufenden nationalen System, laut heizsparer.de (Stand 01.09.2026). Eine verlässliche Preisprognose für 2028 existiert noch nicht, weil der europäische Zertifikatehandel von Faktoren abhängt, die heute noch nicht feststehen: Zuteilungsmenge, Teilnehmerzahl der EU-Mitgliedstaaten und die Marktreaktion auf die erste freie Preisbildung.

Konkret planbar ist für Hausbesitzer nur der Zeitraum bis Ende 2027. Wer eine größere Investitionsentscheidung plant, etwa eine Tankstilllegung oder den Umstieg auf eine andere Heizform, sollte diese Entscheidung nicht auf 2028 verschieben in der Erwartung, der freie Markt werde günstiger als der heutige Korridor.

Welche Fehler machen Hausbesitzer beim CO2-Preis am häufigsten?

Drei Missverständnisse tauchen in Kundenanfragen bei Händlern regelmäßig auf: die Verwechslung von Korridor und Festpreis, die Annahme einer automatischen Erhöhung für 2027, und das Übersehen der separaten Rechnungsposition.

Fehler 1: Den Korridor mit einem fixen Betrag verwechseln. 55 bis 65 Euro ist keine einzelne Zahl, sondern eine Spanne. Der am Ende wirksame Wert ergibt sich erst aus den Versteigerungsergebnissen, die das Umweltbundesamt im Dezember veröffentlicht.

Fehler 2: Automatisch von einer Erhöhung für 2027 ausgehen. Der Entwurf schreibt den bestehenden Korridor fort, er erhöht ihn nicht. Medienberichte, die ungeprüft „CO2-Preis steigt 2027“ titeln, verwechseln oft den allgemeinen CO2-Preispfad seit 2021 mit dem spezifischen Korridor für das kommende Jahr.

Fehler 3: Die CO2-Position auf der Rechnung übersehen. Seit Einführung des Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetzes 2023 muss die Position bei vermieteten Wohnungen separat ausgewiesen werden. Wer sie nicht findet, kann die Heizöl-Rechnung richtig lesen und die Position gezielt suchen.

💬 Meine Einschätzung

Die gängige Erwartung lautet: Jedes Jahr wird der CO2-Preis automatisch höher, also sollte man vor Jahreswechseln tanken. Beim Blick auf die konkreten Zahlen zeigt sich für 2027 das Gegenteil: Der Korridor bleibt stehen, die Bundesregierung hat sich bewusst gegen den ursprünglich für 2027 vorgesehenen Einstieg in den freien Markt entschieden, um Heiz- und Spritkosten vor der ETS-2-Umstellung nicht zusätzlich zu belasten. Die eigentliche Unsicherheit verschiebt sich dadurch um ein Jahr nach hinten, auf 2028. Wer jetzt eine Kaufentscheidung an den CO2-Preis koppelt, optimiert am falschen Jahr. Relevanter für den Geldbeutel bleibt der Händlerwechsel oder der richtige Bestellzeitpunkt nach Rohölpreis, nicht der CO2-Anteil.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Korridor 2027 bleibt bei 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2, identisch mit 2026 (Kabinettsbeschluss 12.08.2026).
  • Das entspricht 17,4 bis 20,6 Cent je Liter Heizöl zusätzlich, macht bei 2.000 Litern Jahresverbrauch 347 bis 410 Euro.
  • Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet, der Bundestag berät seit dem 24.09.2026.
  • Den endgültigen 2027er-Zertifikatspreis veröffentlicht das Umweltbundesamt voraussichtlich Mitte Dezember 2026.
  • Die größere Preisunsicherheit kommt erst 2028 mit dem freien EU-Emissionshandel ETS 2.

Häufige Fragen zum CO2-Preis bei Heizöl 2027

Diese fünf Fragen tauchen bei Heizölkunden rund um den CO2-Preis am häufigsten auf. Sie ergänzen die Hauptkapitel um Detailaspekte, die dort nicht ausführlich behandelt wurden.

Wer zahlt den CO2-Preis bei Heizöl: Mieter oder Eigentümer?

Bei vermieteten Immobilien teilt das Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz die Kosten nach Energieeffizienz des Gebäudes zwischen Vermieter und Mieter auf. Bei älteren, unsanierten Gebäuden trägt der Vermieter einen größeren Anteil. Bei selbst genutzten Häusern zahlt der Eigentümer die volle CO2-Komponente über den Literpreis.

Gilt der CO2-Preis-Korridor auch für Österreich und die Schweiz?

Nein. Der beschriebene Korridor gilt ausschließlich für das deutsche BEHG. Österreich erhebt seit 2022 eine eigene CO2-Abgabe im Rahmen des Nationalen Emissionszertifikatehandelsgesetzes, die Schweiz hat eine CO2-Abgabe auf Brennstoffe mit eigenem Satz. Beide Systeme folgen anderen Preispfaden als das deutsche Modell.

Steigt der CO2-Preis für Heizöl nach 2027 automatisch weiter?

Automatisch nicht in einem fixen Schritt. Ab 2028 übernimmt der freie Markt des EU-ETS 2 die Preisbildung, ein politisch festgelegter nächster Schritt entfällt dann. Der Preis kann je nach Angebot und Nachfrage am europäischen Zertifikatemarkt steigen oder fallen.

Kann ich den CO2-Preis bei Heizöl von der Steuer absetzen?

Für selbst genutztes Wohneigentum ist das nicht möglich, die CO2-Komponente zählt zu den normalen Heizkosten der privaten Lebensführung. Bei vermieteten Objekten lässt sich der auf den Vermieter entfallende Anteil regelmäßig als Werbungskosten in der Vermietungs-Steuererklärung ansetzen.

Wie finde ich heraus, wie viel CO2-Preis mein Händler aktuell berechnet?

Die Rechnungsposition steht meist zwischen Netto-Warenwert und Mehrwertsteuer, oft mit der Bezeichnung „CO2-Kosten“ oder „BEHG-Aufschlag“. Wie viel CO2 ein Liter Heizöl insgesamt verursacht, erklärt der Beitrag Wie viel CO2 verursacht ein Liter Heizöl? im Detail.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Quellen bilden die Datenbasis dieses Artikels, Stand der Abfrage ist September 2026.

  • Referentenentwurf zum Dritten Gesetz zur Änderung des BEHG · bundesumweltministerium.de · Der offizielle Gesetzentwurf des BMUKN mit dem vorgesehenen Preiskorridor für 2027.
  • Ergebnisse der 55. Kabinettssitzung vom 12. August 2026 · bundesregierung.de · Bestätigt den Kabinettsbeschluss zur BEHG-Novelle als Datum und Verfahrensschritt.
  • Bundestags-Drucksache 21/7869 und Textarchiv zur ersten Lesung · bundestag.de · Dokumentiert den parlamentarischen Beratungsstand seit dem 7. September 2026.
  • CO2-Preis 2027: Das hat das Kabinett am 12. August beschlossen · ema-energiewelt.de · Ordnet den Beschluss ein und liefert die Umrechnung in Cent pro Liter Heizöl.
  • CO2-Preis 2027: Korridor soll bei 55–65 Euro bleiben · heizsparer.de · Liefert die Beispielrechnung für den Mehrkosten-Haushalt und den Ausblick auf ETS 2.
  • Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz, § 4 · gesetze-im-internet.de · Regelt den für die Abrechnung maßgeblichen Mittelwert und die Kostenteilung zwischen Vermieter und Mieter.
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