Die Mehrwertsteuer auf Heizöl beträgt in Deutschland 19 Prozent, in Österreich 20 Prozent und in der Schweiz 8,1 Prozent. Deutschland und Österreich berechnen die Steuer zusätzlich auf den CO2-Preis, der den Nettopreis vor der Steuer erhöht. Eine echte Entlastung wie beim Erdgas 2022 gab es für Heizöl nie.
Die Mehrwertsteuer auf Heizöl liegt in Deutschland bei 19 Prozent (§ 12 Abs. 1 UStG), in Österreich bei 20 Prozent und in der Schweiz bei 8,1 Prozent. In Deutschland erhöht der CO2-Preis aus dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) zuerst den Nettopreis, erst danach greift die Mehrwertsteuer — die Steuer wirkt also doppelt. Bei einem CO2-Preis von 60 Euro pro Tonne liegt der Aufschlag bei rund 19 Cent pro Liter, zusätzlich zur Mehrwertsteuer. Private Käufer tragen die volle Steuerlast, vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen holen sich die Mehrwertsteuer über die Umsatzsteuervoranmeldung zurück.
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer auf Heizöl in Deutschland?
Die Mehrwertsteuer auf Heizöl beträgt in Deutschland 19 Prozent des Nettopreises. Heizöl zählt nicht zu den ermäßigten Gütern nach § 12 Abs. 2 UStG, anders als Lebensmittel oder Bücher. Der Regelsteuersatz gilt unverändert seit 2007 und greift auf jede Heizöl-Lieferung, egal ob an Privathaushalte oder Unternehmen.
Der Regelsteuersatz ist der Normalsatz der deutschen Umsatzsteuer nach § 12 Abs. 1 Umsatzsteuergesetz (UStG) und gilt für alle Waren und Dienstleistungen, die nicht ausdrücklich im Katalog der ermäßigten Sätze stehen. Heizöl fehlt in diesem Katalog, Erdgas und Fernwärme standen dort nur befristet. Von Oktober 2022 bis März 2024 senkte der Gesetzgeber die Mehrwertsteuer auf Erdgas und Fernwärme auf 7 Prozent, um die Energiepreiskrise abzufedern. Heizöl blieb von dieser Entlastung ausgeschlossen, was damals auch politisch diskutiert wurde.
Auf der Heizöl-Rechnung erscheint die Mehrwertsteuer als separater Posten, zusätzlich zum Produktpreis, zur Mineralölsteuer und zum CO2-Preis. Lieferkosten und Anfahrtspauschalen unterliegen ebenfalls dem Regelsteuersatz von 19 Prozent, da sie Teil der einheitlichen Lieferleistung sind.
Wird die Mehrwertsteuer nur auf den Ölpreis oder auch auf den CO2-Preis berechnet?
Die Mehrwertsteuer berechnet sich auf den gesamten Nettopreis, einschließlich des CO2-Preises aus dem BEHG. Der CO2-Preis erhöht zuerst die Bemessungsgrundlage, danach kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer hinzu. Diese Reihenfolge führt zu einer Steuer auf die Steuer und verteuert jeden Liter zusätzlich.
Der CO2-Preis ist eine Abgabe nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), die Unternehmen für den Verkauf fossiler Brennstoffe wie Heizöl und Erdgas an den Staat zahlen und über den Produktpreis an Endkunden weitergeben. 2026 bewegt sich der Preis in einem gesetzlich festgelegten Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2, Stand 9. Januar 2026 laut top agrar. Bei einem mittleren Preis von 60 Euro pro Tonne liegt der CO2-Aufschlag auf Heizöl bei rund 19 Cent pro Liter, Stand 7. September 2026 laut reduco.ai. Für ein Einfamilienhaus mit 2.000 Litern Jahresverbrauch bedeutet das zusätzliche 340 bis 410 Euro CO2-Kosten pro Jahr, bevor überhaupt die Mehrwertsteuer draufkommt.
Viele Heizöl-Käufer vergleichen Angebote nur am Bruttopreis pro Liter und übersehen, dass der CO2-Preis Teil der Mehrwertsteuer-Bemessungsgrundlage ist. Steigt der CO2-Preis von 2026 auf 2027 im nächsten Schritt des BEHG-Korridors, wächst nicht nur der Aufschlag selbst, sondern automatisch auch die 19-prozentige Mehrwertsteuer darauf. Ein Preisvergleich, der nur den reinen Produktpreis ohne CO2- und Steuerkomponente zeigt, unterschätzt die tatsächliche Kostenentwicklung systematisch um diesen Steuer-auf-Steuer-Effekt.
Der CO2-Preis-Korridor für 2026 ist gesetzlich auf 55 bis 65 Euro pro Tonne begrenzt, die Bundesregierung kann den tatsächlichen Preis innerhalb dieses Rahmens anpassen. Rechnen Sie bei mehrjährigen Liefer- oder Rahmenverträgen die Mehrwertsteuer immer auf den aktuellen Gesamtpreis inklusive CO2-Komponente, nicht auf einen veralteten Nettopreis. Prüfen Sie den Stand vor jeder größeren Bestellung neu.
Wie unterscheiden sich die Mehrwertsteuersätze in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Deutschland erhebt 19 Prozent, Österreich 20 Prozent und die Schweiz 8,1 Prozent Mehrwertsteuer auf Heizöl. Zusätzlich erhebt Österreich eine Mineralölsteuer von 9,8 Cent pro Liter auf schwefelarmes Heizöl extraleicht, Stand 1. Januar 2026. Die Schweiz kennt keinen reduzierten Satz für Heizöl.
| Land | Mehrwertsteuersatz | Rechtsgrundlage | Stand |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 19 % | § 12 Abs. 1 UStG | 2026 |
| Österreich | 20 % | § 10 UStG 1994 | 1.1.2026 |
| Schweiz | 8,1 % | Art. 25 MWSTG | 1.1.2026 |
Der Schweizer Satz von 8,1 Prozent gilt seit der Erhöhung zum 1. Januar 2024 im Rahmen der AHV-Zusatzfinanzierung und blieb seither unverändert, Stand 1. Januar 2026 laut weka.ch. Österreich bepreist Heizöl über zwei Hebel gleichzeitig: die Mineralölsteuer als fixen Centbetrag pro Liter und die 20-prozentige Umsatzsteuer auf den Gesamtpreis einschließlich Mineralölsteuer und CO2-Komponente, Stand 1. Januar 2026 laut finfo.at.
Was kostet eine Heizöl-Lieferung inklusive aller Steuern — eine Beispielrechnung?
Bei einem angenommenen Nettoproduktpreis von 70 Cent pro Liter und einem CO2-Aufschlag von 19 Cent pro Liter zahlt ein deutscher Haushalt am Ende rund 1,06 Euro pro Liter, inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Für 3.000 Liter summiert sich das auf 3.177 Euro, davon 507 Euro reine Mehrwertsteuer.
Die Rechnung im Detail: 70 Cent Nettoproduktpreis plus 19 Cent CO2-Aufschlag ergeben 89 Cent Nettopreis pro Liter. Darauf kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer, also knapp 17 Cent, für einen Bruttopreis von rund 1,06 Euro pro Liter. Bei 3.000 Litern Bestellmenge liegt der Nettobetrag inklusive CO2-Preis bei 2.670 Euro, die Mehrwertsteuer darauf bei 507,30 Euro, der Gesamtbetrag bei 3.177,30 Euro. Mineralölsteuer ist in diesem vereinfachten Beispiel bereits im Nettoproduktpreis enthalten, sie unterliegt in Deutschland ebenfalls der Mehrwertsteuer.
Um den reinen Effekt der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze zu isolieren, zeigt die folgende Tabelle denselben Nettowarenwert von 1.000 Euro für alle drei Länder, ohne länderspezifische Mineralölsteuer oder CO2-Komponente:
| Land | Nettowert | Mehrwertsteuer | Bruttowert |
|---|---|---|---|
| Deutschland (19 %) | 1.000 € | 190 € | 1.190 € |
| Österreich (20 %) | 1.000 € | 200 € | 1.200 € |
| Schweiz (8,1 %) | 1.000 € | 81 € | 1.081 € |
Allein die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze erzeugen bei identischem Nettowert eine Differenz von 119 Euro zwischen der Schweiz und Österreich. Nutzen Sie den Heizöl-Rechner, um die Gesamtkosten für Ihre individuelle Liefermenge inklusive aktueller Steuern und Abgaben zu berechnen.
Können Unternehmen die Mehrwertsteuer auf Heizöl zurückholen?
Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen holen sich die auf Heizöl gezahlte Mehrwertsteuer über die Umsatzsteuervoranmeldung vollständig zurück, unabhängig vom Land. Private Haushalte und umsatzsteuerbefreite Betriebe wie Vermieter mit steuerfreier Wohnraumvermietung tragen die Mehrwertsteuer dagegen endgültig als festen Kostenbestandteil der Heizöl-Rechnung, ohne Erstattungsmöglichkeit.
Der Vorsteuerabzug ist das Recht eines umsatzsteuerpflichtigen Unternehmens, die beim Einkauf gezahlte Mehrwertsteuer mit der selbst eingenommenen Umsatzsteuer zu verrechnen, geregelt in § 15 UStG. Ob sich das bei Heizöl lohnt, hängt vom Status des Käufers ab:
- Kauft ein Privathaushalt Heizöl zum Beheizen der eigenen Wohnung, bleibt die Mehrwertsteuer eine endgültige Belastung ohne Erstattungsmöglichkeit.
- Kauft ein regelbesteuerter Gewerbebetrieb Heizöl für betrieblich genutzte Gebäude, zieht er die gezahlte Mehrwertsteuer vollständig als Vorsteuer ab.
- Kauft ein pauschalierender Landwirt nach § 24 UStG Heizöl für den Betrieb, entfällt der reguläre Vorsteuerabzug durch die Pauschalregelung meist automatisch.
- Kauft ein Vermieter mit steuerfreier Wohnraumvermietung Heizöl für die Mieterbelieferung, bleibt der Vorsteuerabzug ausgeschlossen, da die Vermietungsumsätze selbst nicht umsatzsteuerpflichtig sind.
Gemischt genutzte Gebäude, etwa mit Wohn- und Gewerbeflächen im selben Haus, verlangen eine anteilige Aufteilung der Vorsteuer nach dem Flächen- oder Nutzungsverhältnis. Der Steuerberater legt diesen Aufteilungsschlüssel in der Regel einmalig fest und wendet ihn auf jede Heizöl-Rechnung an.
Wie könnte sich die Steuerlast auf Heizöl nach 2026 entwickeln?
Der CO2-Preis-Korridor steigt planmäßig weiter, was die Mehrwertsteuer-Bemessungsgrundlage auf Heizöl Jahr für Jahr automatisch erhöht, auch ohne eine Änderung des Steuersatzes selbst. Eine befristete Mehrwertsteuer-Senkung wie bei Erdgas 2022 ist für Heizöl politisch bislang nicht angekündigt und erscheint angesichts der Haushaltslage unwahrscheinlich.
Ab 2027 greift zusätzlich der europäische Emissionshandel ETS2 für Gebäude und Verkehr, der den deutschen CO2-Preis-Korridor ablöst und tendenziell volatiler macht, da der Preis dann stärker über einen EU-weiten Markt statt über einen staatlich fixierten Korridor entsteht. Für Heizöl-Käufer heißt das: die absolute Mehrwertsteuer-Last in Euro wächst automatisch mit, auch ohne dass sich der Steuersatz selbst ändert, weil die Steuer immer auf den steigenden Gesamtpreis berechnet wird.
💬 Meine Einschätzung
Die gängige Erwartung vieler Leser lautet: Wenn der Staat beim Gas 2022 die Mehrwertsteuer senken konnte, kommt das irgendwann auch für Heizöl. In der Praxis zeigt die Haushaltslage der letzten Jahre das Gegenteil. Die befristete Gas-Entlastung war eine reine Krisenmaßnahme während extremer Preisspitzen nach Kriegsbeginn in der Ukraine, finanziert über ein zeitlich begrenztes Sonderbudget. Heizöl-Preise bewegen sich seit 2023 in einem vergleichsweise ruhigen Korridor, ein politischer Anlass für eine erneute Sonderregelung fehlt. Wer auf eine Steuersenkung wartet, sollte stattdessen die planbaren Stellschrauben nutzen: Liefermenge, Zeitpunkt der Bestellung und Anbieterwahl beeinflussen den Endpreis stärker als jede kurzfristige Steuerdebatte.
- Mehrwertsteuer auf Heizöl: 19 % in Deutschland, 20 % in Österreich, 8,1 % in der Schweiz (Stand 2026)
- In Deutschland erhöht der CO2-Preis (55–65 €/t im Korridor 2026) zuerst den Nettopreis, erst danach greift die Mehrwertsteuer
- Bei 60 €/t CO2-Preis liegt der Aufschlag bei rund 19 Cent pro Liter, zusätzlich zur Mehrwertsteuer
- Gewerbebetriebe mit Vorsteuerabzug holen sich die Mehrwertsteuer über § 15 UStG zurück, Privathaushalte nicht
- Eine Mehrwertsteuer-Senkung wie bei Erdgas 2022 ist für Heizöl aktuell nicht geplant
Häufige Fragen zur Mehrwertsteuer auf Heizöl
Diese fünf Fragen tauchen bei der Mehrwertsteuer auf Heizöl regelmäßig auf und ergänzen die Hauptkapitel um konkrete Detail-Aspekte.
Warum wurde die Mehrwertsteuer auf Erdgas 2022 gesenkt, auf Heizöl aber nicht?
Der Gesetzgeber senkte die Mehrwertsteuer auf Erdgas und Fernwärme von Oktober 2022 bis März 2024 befristet auf 7 Prozent, als Reaktion auf die extremen Gaspreis-Spitzen nach Kriegsbeginn in der Ukraine. Heizöl-Preise stiegen im gleichen Zeitraum ebenfalls, blieben aber von der gesetzlichen Sonderregelung ausgeschlossen.
Gilt die Mehrwertsteuer auch für Liefer- und Anfahrtskosten?
Ja. Liefer- und Anfahrtskosten gelten umsatzsteuerlich als unselbstständige Nebenleistung zur Heizöl-Lieferung und unterliegen demselben Regelsteuersatz von 19 Prozent in Deutschland, 20 Prozent in Österreich beziehungsweise 8,1 Prozent in der Schweiz.
Ist Heizöl von der Mehrwertsteuer befreit, wenn man es selbst abholt?
Nein. Die Mehrwertsteuer knüpft an den Verkauf des Produkts an, nicht an die Transportart. Selbstabholung spart lediglich die Anfahrtspauschale, die Mehrwertsteuer auf den Produktpreis bleibt unverändert bestehen.
Wie wird die Mehrwertsteuer auf der Heizöl-Rechnung ausgewiesen?
Seriöse Heizöl-Händler weisen Nettopreis, Mineralölsteuer beziehungsweise CO2-Preis und Mehrwertsteuer als getrennte Posten aus, mit dem Gesamtbruttobetrag als Endsumme. Diese Aufschlüsselung ist nach § 14 UStG für Rechnungen an Unternehmen Pflicht.
Steigt die Mehrwertsteuer auf Heizöl automatisch mit dem CO2-Preis?
Der Steuersatz selbst bleibt bei 19 Prozent in Deutschland fix, die absolute Mehrwertsteuer in Euro steigt aber automatisch mit, sobald der CO2-Preis im BEHG-Korridor von Jahr zu Jahr angehoben wird, weil die Bemessungsgrundlage wächst.
Einen vollständigen Überblick über die Preisunterschiede zwischen den drei Ländern liefert der Beitrag Heizölpreis in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Wie groß ist der Unterschied?. Wer aktuelle Förderprogramme rund um den Heizungstausch prüfen will, findet Details im Beitrag Welche Förderung gibt es 2026 für den Ausstieg aus der Ölheizung?. Begriffe wie Vorsteuerabzug oder Regelsteuersatz sind zusätzlich im Heizöl-Glossar definiert. Einen Preis- und Leistungsvergleich seriöser Lieferanten bietet der Heizöl-Anbieter-Vergleich.
Quellen und weiterführende Literatur
Die folgenden Quellen bilden die Datengrundlage dieses Artikels, Stand Oktober 2026.
- Umsatzsteuergesetz § 12 Abs. 1 UStG · gesetze-im-internet.de · Rechtsgrundlage für den deutschen Regelsteuersatz von 19 Prozent.
- Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) § 10 · gesetze-im-internet.de · Rechtsgrundlage für den CO2-Preis auf Heizöl und Erdgas.
- CO2-Preiskorridor 2026 · topagrar.com, Stand 9.1.2026 · Bestätigt den gesetzlichen Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2 für 2026.
- CO2-Steuer 2026: Preis pro Tonne, Heizkosten & Ausblick 2028 · reduco.ai, Stand 7.9.2026 · Liefert die Umrechnung des CO2-Preises in Cent pro Liter Heizöl und die Jahreskosten für ein Einfamilienhaus.
- Mineralölsteuer (MöSt) in Österreich auf Heizöl · finfo.at, Stand 1.1.2026 · Nennt den österreichischen Umsatzsteuersatz von 20 Prozent und die Mineralölsteuer von 9,8 Cent pro Liter.
- Mehrwertsteuersätze: Aktuelle MWST-Sätze CH und EU · weka.ch, Stand 1.1.2026 · Bestätigt den Schweizer Normalsatz von 8,1 Prozent.
- Warum wird nur für Gas und Fernwärme die Mehrwertsteuer gesenkt? · abgeordnetenwatch.de, 11.10.2022 · Dokumentiert die politische Debatte um die befristete Gas-Mehrwertsteuer-Senkung und den Ausschluss von Heizöl.


