Schwefelarmes Heizöl hat kaum praktische Nachteile, da es seit September 2010 der verbindliche Standard in Deutschland ist. Der einzige reale Unterschied zu Premium-Varianten: Ohne Additive altert es bei sehr langer Lagerung etwas schneller und bietet keinen zusätzlichen Korrosionsschutz.
Gibt es überhaupt noch eine Alternative zu schwefelarmem Heizöl?
Nein, seit dem 1. September 2010 wird in Deutschland flächendeckend nur noch schwefelarmes Heizöl EL angeboten.
Der Schwefelgehalt wurde damals von zuvor bis zu 1.000 Milligramm pro Kilogramm auf höchstens 50 Milligramm pro Kilogramm gesenkt – eine Reduktion um den Faktor 20. Diese Umstellung war verpflichtend und flächendeckend, sodass Endkunden seither keine Wahlmöglichkeit zwischen einer schwefelreichen und einer schwefelarmen Variante mehr haben. Wer heute Heizöl EL Standard bestellt, erhält automatisch die schwefelarme Qualität nach DIN 51603-1.
Damit verschiebt sich die eigentliche Frage: Nicht „schwefelarm oder nicht“, sondern „Standardqualität oder Premium-Qualität“ ist die relevante Entscheidung, wie auch der Beitrag Schwefelarm oder Premium: Was ist der Unterschied? einordnet.
Welcher technische Nachteil bleibt im Vergleich zu Premium-Heizöl?
Standard-schwefelarmes Heizöl enthält im Gegensatz zu Premium-Varianten keine Additive gegen Oxidation, Ablagerungen und Korrosion.
Heizöl altert grundsätzlich mit der Zeit, weil es durch Sauerstoffkontakt langsam oxidiert und dabei Sedimente bilden kann, die sich am Tankboden absetzen. Premium-Heizöl enthält speziell dafür entwickelte Additive, die diesen Alterungsprozess verlangsamen und zusätzlich vor Korrosion durch Kondenswasser im Tank schützen. Reines Standardöl ohne Zusätze bietet diesen erweiterten Schutz nicht.
In der Praxis wirkt sich das vor allem bei sehr langer Lagerdauer aus, etwa wenn ein Tank über mehr als ein bis zwei Jahre kaum bewegt wird, weil der Verbrauch gering ist oder ein Zweittank als Reserve dient. Bei üblichem jährlichem Verbrauch und regelmäßigem Nachfüllen spielt dieser Unterschied kaum eine Rolle.
Muss ich bei der Umstellung auf schwefelarmes Heizöl etwas beachten?
Nein, schwefelarmes Heizöl ist uneingeschränkt mit bisherigem Standardheizöl mischbar und für alle in Deutschland zugelassenen Ölheizkessel und Ölbrenner geeignet.
Anfängliche Bedenken der Gerätehersteller zur Materialverträglichkeit wurden durch umfangreiche Tests vor der verpflichtenden Umstellung 2010 ausgeräumt. Besondere bauliche Vorkehrungen wie ein Austausch von Dichtungen sind für den regulären Betrieb nicht nötig. Lediglich bei Anlagen mit grünem Deckel am Öleinfüllstutzen ist die Verwendung von schwefelarmem Heizöl EL ausdrücklich vorgeschrieben, was heute ohnehin dem Standardprodukt entspricht.
Empfehlenswert vor der ersten Befüllung mit frischem Öl ist trotzdem eine Reinigung von Brenner und Kessel, um Ablagerungen aus dem bisherigen Betrieb zu entfernen und die Effizienz der Anlage zu erhalten – das gilt unabhängig von der Ölsorte.
Wirkt sich schwefelarmes Heizöl auf den Preis aus?
Schwefelarmes Standardöl ist in der Regel günstiger als Premium-Heizöl, da es keine zusätzlichen Additive enthält.
Der Preisunterschied zu Premium-Varianten ergibt sich vor allem aus den Kosten für die enthaltenen Zusatzstoffe, nicht aus dem Schwefelgehalt selbst. Wie sich Tagespreise grundsätzlich zusammensetzen, erläutert der Beitrag Heizölpreis: Wie er zustande kommt. Wer nur kurze Zeit lagert und regelmäßig nachfüllt, kann mit der günstigeren Standardqualität sparen, ohne relevante Nachteile in Kauf zu nehmen.
Für die Frage, ob sich der Aufpreis für Premium-Öl im Einzelfall lohnt, liefert der Beitrag Premium-Heizöl: Lohnt sich der Aufpreis? eine ausführliche Einordnung nach Lagerdauer und Verbrauch.
Wirkt sich schwefelarmes Heizöl auf Umwelt und Anlage aus?
Schwefelarmes Heizöl reduziert Schwefeldioxid-Emissionen deutlich und verringert die Korrosionsgefahr durch schwefelhaltiges Kondensat im Kessel.
Der reduzierte Schwefelgehalt senkt die Bildung von schwefliger Säure im Abgaskondensat, wodurch die früher nötige Neutralisation des Kondensats bei modernen Brennwertkesseln teilweise entfällt und die Anlage weniger stark durch Säure belastet wird. Für die Umwelt bedeutet der geringere Schwefelausstoß einen Beitrag zur Reduktion von saurem Regen und Feinstaubbelastung.
Diese Vorteile gelten unabhängig von der Frage, ob überhaupt noch bei Öl geheizt werden soll – für einen Vergleich mit anderen Brennstoffen und dem CO2-Preis lohnt sich ein Blick in den Rechner-Beitrag Heizöl-Wärmepumpen-Rechner: Wie er funktioniert.
Häufige Fragen
Kann ich noch normales Heizöl ohne Schwefelreduktion kaufen?
Nein. Seit September 2010 ist ausschließlich schwefelarmes Heizöl EL mit maximal 50 mg Schwefel pro Kilogramm im Handel erhältlich, ein Standardprodukt mit höherem Schwefelgehalt gibt es nicht mehr.
Muss ich meinen alten Brenner wegen schwefelarmem Heizöl austauschen?
Nein. Alle in Deutschland zugelassenen Ölbrenner und -kessel sind für schwefelarmes Heizöl geeignet, ein Austausch aus diesem Grund ist nicht erforderlich.
Lohnt sich Premium-Heizöl trotzdem, wenn schwefelarm schon Standard ist?
Das hängt von der Lagerdauer ab. Bei sehr langer, seltener Nachfüllung kann der Additivschutz von Premium-Öl gegen Alterung und Korrosion einen spürbaren Vorteil bringen, bei regelmäßigem Verbrauch meist nicht.
Quellen
Angaben zu Grenzwerten und Einführungsdatum: DIN 51603-1, Hoffmann Energie + Schmierstoffe (Herstellerangaben). Einordnung zu Additiven und Lagerstabilität: Kesselheld, Fachportal für Heiztechnik. Allgemeine Verbraucherinformationen: Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO).


