Heizölpreis: Wie er zustande kommt
Der Heizölpreis entsteht aus fünf Faktoren: dem Rohölpreis an den Weltmärkten, dem Euro-Dollar-Wechselkurs, der Raffineriemarge, Steuern und Abgaben sowie regionalen Liefer- und Wettbewerbsbedingungen. Weil sich diese Größen mehrmals täglich verschieben, ändert sich auch der Heizölpreis fortlaufend statt an einem festen Wert zu kleben.
Welche Rolle spielt der Rohölpreis für den Heizölpreis?
Der Rohölpreis liefert die Grundlage, bestimmt aber nur einen Teil des Endpreises.
Heizöl EL wird aus Rohöl raffiniert, weshalb Bewegungen am Rohölmarkt sich mit wenigen Tagen Verzögerung auf den Heizölpreis durchschlagen. Referenzpunkt ist meist die Nordseesorte Brent, die an internationalen Terminbörsen in US-Dollar je Barrel notiert wird. Steigt der Rohölpreis, steigen tendenziell auch die Einkaufskosten der Raffinerien und damit später die Preise an der Zapfsäule bzw. beim Heizöllieferanten.
Der Zusammenhang ist aber nicht eins zu eins. Zwischen Rohölnotierung und Verbraucherpreis liegen Raffinerieverarbeitung, Transport, Lagerhaltung und der Handelsspanne der Händler vor Ort — jeder dieser Schritte kann Preisbewegungen abschwächen oder verstärken.
Wie wirkt sich der Euro-Dollar-Kurs aus?
Da Rohöl in US-Dollar gehandelt wird, verteuert ein schwacher Euro den Einkauf zusätzlich, selbst wenn der Dollarpreis für Rohöl stabil bleibt.
Notiert der Euro schwach gegenüber dem Dollar, müssen deutsche und europäische Raffinerien für dieselbe Menge Rohöl mehr Euro aufwenden. Das schlägt sich unabhängig von der reinen Ölpreisentwicklung im Heizölpreis nieder. Umgekehrt kann ein starker Euro einen steigenden Dollar-Ölpreis teilweise abfedern. Wer Preisschwankungen verstehen will, sollte deshalb nicht nur den Rohölpreis, sondern auch den Wechselkurs im Blick behalten.
Für die tägliche Praxis bedeutet das: Ein stabiler Rohölpreis garantiert keinen stabilen Heizölpreis, wenn sich zeitgleich der Wechselkurs bewegt.
Was ist die Raffineriemarge und warum zählt sie mit?
Die Raffineriemarge ist die Differenz zwischen Rohölkosten und dem, was die Raffinerie für das fertige Produkt Heizöl EL erzielt — sie deckt Verarbeitung, Energieeinsatz und Gewinn.
Rohöl muss erst destilliert und aufbereitet werden, bevor daraus das schwefelarme Heizöl EL entsteht, das in deutschen Haushalten verheizt wird. Dieser Veredelungsschritt kostet Energie, Personal und Kapital — die Raffinerie kalkuliert dafür eine Marge ein, die je nach Auslastung, Wartungsstillständen und Nachfrage schwankt. In Zeiten hoher Nachfrage (etwa im Herbst, wenn viele Haushalte ihre Tanks auffüllen) kann diese Marge steigen, weil die Verarbeitungskapazität begrenzt ist.
Dazu kommen Lager- und Logistikkosten zwischen Raffinerie, Tanklager und dem Heizöllieferanten vor der Haustür, die ebenfalls in den Endpreis einfließen.
Welche Steuern und Abgaben stecken im Heizölpreis?
Auf den Nettopreis kommen in Deutschland 19 % Mehrwertsteuer sowie eine Energiesteuer, die je nach politischer Lage angepasst wird.
Anders als bei Kraftstoffen ist die Energiesteuer auf Heizöl deutlich niedriger, da es zu Heizzwecken und nicht als Antrieb genutzt wird. Trotzdem macht der staatliche Anteil einen spürbaren Teil des Literpreises aus. Wer zwei Angebote vergleicht, sollte deshalb immer auf Brutto- oder Nettoausweisung achten, um keine Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Warum gibt es regionale Preisunterschiede beim Heizölpreis?
Entfernung zum nächsten Tanklager, Wettbewerbsdichte unter Händlern und lokale Nachfrage sorgen dafür, dass derselbe Liter Heizöl in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich viel kostet.
Ballungsräume mit mehreren konkurrierenden Anbietern haben tendenziell engere Margen als ländliche Gebiete mit wenigen Lieferanten und längeren Transportwegen. Auch die Nähe zu Raffinerien und Umschlagshäfen spielt eine Rolle: Wer weit von der Versorgungsinfrastruktur entfernt wohnt, zahlt häufig einen Aufschlag für Logistik. Ein Vergleich mehrerer Heizöl-Anbieter in der eigenen Region lohnt sich deshalb fast immer.
Häufige Fragen
Ist der Heizölpreis an einem Tag überall in Deutschland gleich?
Nein. Es gibt keinen bundesweit einheitlichen Fixpreis, sondern regionale Preise, die von Region zu Region und Händler zu Händler abweichen können. Mehr dazu im Glossar unter dem Begriff Tagespreis.
Wie schnell reagiert der Heizölpreis auf Rohölbewegungen?
Meist mit einer Verzögerung von wenigen Tagen bis rund zwei Wochen, da Raffinerieverarbeitung, Transport und bestehende Lagerbestände puffernd wirken.
Warum ist der Heizölpreis günstiger als der Preis für Diesel oder Benzin?
Weil auf Heizöl eine deutlich niedrigere Energiesteuer erhoben wird als auf Kraftstoffe, die für den Straßenverkehr genutzt werden.
Quellen
Verbraucherzentrale, IWO – Institut für Wärme und Oeltechnik, bft – Bundesverband freier Tankstellen, heizoel24.de Marktbericht.


