Ein Peilstab oder eine Tankuhr zeigt die Füllhöhe in Zentimetern, nicht direkt in Litern. Bei eckigen Kunststofftanks entspricht die Höhe in Prozent etwa dem Volumenanteil, bei liegenden Rundtanks weicht sie deutlich davon ab – deshalb braucht jeder Tank seine eigene Peiltabelle.
Wie funktioniert die Messung mit dem Peilstab?
Der Peilstab wird senkrecht durch die Peilöffnung bis zum Tankboden geführt, die benetzte Länge zeigt danach die Füllhöhe an.
Nach dem Herausziehen ist der untere Teil des Stabes vom Öl benetzt oder eingefärbt. Die Länge dieser Benetzung, gemessen ab der Stabspitze, entspricht der Füllhöhe im Tank in Zentimetern. Dieser Wert allein sagt aber noch nichts über die Literzahl aus – dafür ist die passende Umrechnungstabelle des Tankherstellers nötig.
Moderne Anlagen ersetzen den Peilstab zunehmend durch elektronische Tankuhren mit Ultraschall- oder Schwimmersensor, die den Füllstand direkt in Prozent oder Litern anzeigen. Bei älteren Tanks ohne Elektronik bleibt der Peilstab die gängige Methode, und viele Eigentümer kennen ihn noch aus der jährlichen Heizölbestellung.
Warum entspricht die Füllhöhe in cm nicht dem Volumenanteil?
Bei liegenden zylindrischen Tanks ist der Querschnitt kreisförmig, wodurch gleiche Höhenabschnitte am Tankboden und am Tankscheitel unterschiedlich viel Volumen enthalten.
Ein liegender Zylinder ist am breitesten in der Mitte und läuft nach oben und unten spitz zu. Die ersten Zentimeter Füllhöhe am Boden füllen daher überproportional wenig Volumen, während mittlere Zentimeter überproportional viel Volumen ausmachen. Konkret entsprechen 25 % Füllhöhe nur rund 19,7 % des Volumens, während 75 % Füllhöhe bereits rund 80,3 % Volumen bedeuten – die Kurve verläuft s-förmig um den linearen 50-%-Punkt.
Bei quaderförmigen Kunststoff-Batterietanks, wie sie seit den 1990er-Jahren häufig im Keller stehen, ist der Querschnitt über die gesamte Höhe gleich. Hier verhält sich die Füllhöhe linear zum Volumen: 30 % Höhe bedeuten auch etwa 30 % des Nennvolumens. Wer den Tanktyp nicht kennt, sollte vor der Berechnung einen Blick auf das Typenschild oder die Bauartzulassung werfen.
Wie viele Liter stecken hinter typischen cm-Werten bei Standardtanks?
Bei liegenden Rundtanks mit 2.000, 3.000 oder 5.000 Liter Nennvolumen ergeben sich bei 25, 50 und 75 % Füllhöhe deutlich unterschiedliche Literwerte.
Als Orientierung für liegende zylindrische Tanks (Kreissegment-Formel): Ein 2.000-Liter-Tank enthält bei 25 % Füllhöhe rund 390 Liter, bei 50 % rund 1.000 Liter und bei 75 % rund 1.610 Liter. Ein 3.000-Liter-Tank kommt auf rund 590 Liter (25 %), 1.500 Liter (50 %) und 2.410 Liter (75 %). Bei einem 5.000-Liter-Tank sind es rund 990 Liter (25 %), 2.500 Liter (50 %) und 4.020 Liter (75 %).
Diese Werte sind Näherungen für idealisierte Zylinderformen. Reale Tanks haben oft leicht gewölbte Böden, Domschächte oder Einbauten, die das tatsächliche Volumen um einige Liter nach oben oder unten verschieben. Für eine Bestellmenge auf den Liter genau reicht die Näherung meist, für die Resterfassung vor einem Tankwechsel sollte die Herstellertabelle herangezogen werden.
Was gilt für quaderförmige Kunststofftanks?
Bei quaderförmigen Batterietanks aus Kunststoff steigt das Volumen linear mit der Füllhöhe, eine gesonderte Kurvenberechnung ist nicht nötig.
Ein einzelner Kunststoff-Batterietank fasst je nach Modell meist 1.000 bis 1.500 Liter und wird oft im Verbund mit mehreren Tanks zu einer Batterie zusammengeschaltet. Da die Seitenwände senkrecht und der Querschnitt konstant ist, entspricht ein Anstieg der Füllhöhe um zehn Prozentpunkte auch einem Anstieg des Volumens um rund zehn Prozentpunkte.
Bei mehreren verbundenen Tanks gleicht sich der Füllstand über die Verbindungsleitungen unten meist automatisch an, sodass ein einzelner Messwert für die gesamte Batterie ausreicht. Wichtig ist trotzdem, die auf dem Typenschild angegebene Bauartzulassung mit der tatsächlichen Anzahl und Größe der verbundenen Tanks abzugleichen, bevor eine Restmenge für die Bestellung berechnet wird.
Woher bekomme ich die passende Peiltabelle für meinen Tank?
Die verbindliche Peiltabelle liefert der Tankhersteller, meist auf dem Typenschild, in den Einbauunterlagen oder direkt beim letzten Prüfbericht des Fachbetriebs.
Da jede Tankgeometrie – Durchmesser, Länge, Bodenform, Einbauten wie Sümpfe – die Umrechnung beeinflusst, veröffentlichen Hersteller wie Roth oder Schütz normierte Peiltabellen nach DIN 6608 für ihre Baureihen. Diese Tabellen ordnen jeder gemessenen Zentimeterhöhe einen exakten Literwert für das jeweilige Modell zu.
Fehlt die Originaltabelle, kann der zuständige Tankschutzbetrieb sie meist anhand der Typenschild-Angaben (Baujahr, Modellbezeichnung, Nennvolumen) nachliefern oder bei der jährlichen Dichtheitsprüfung erneut aushändigen. Eine grobe Umrechnung nach der Kreissegment-Formel ersetzt die Herstellertabelle nur näherungsweise.
Wie rechne ich die abgelesenen Liter in kWh um?
Ein Liter Heizöl EL entspricht im Mittel rund 10 kWh Heizwert, der genaue Wert schwankt je nach Ölqualität leicht.
Sobald die Literzahl über die Peiltabelle ermittelt ist, lässt sich daraus der verbleibende Energievorrat abschätzen – etwa um zu planen, wie lange der Tankinhalt bei aktuellem Verbrauch noch reicht. Die genaue Umrechnung und die Gründe für Schwankungen beim Heizwert erklärt der Artikel Heizöl in kWh umrechnen: Schritt für Schritt.
Für alle Fragen rund um Fachbegriffe zu Tankarten, Peilung und Lagerung lohnt sich außerdem ein Blick in den Beitrag Erdtank für Heizöl: Vor- und Nachteile, der die baulichen Unterschiede zwischen Tanktypen erläutert.
Häufige Fragen
Zeigt jede Tankuhr automatisch Liter statt Zentimeter an?
Nein. Viele mechanische Schwimmeranzeigen und einfache Peilstäbe zeigen nur die Höhe oder einen Prozentwert, keine Literzahl. Elektronische Ultraschallsensoren neuerer Bauart rechnen dagegen intern bereits in Liter um und zeigen den Wert direkt an.
Kann ich die Kreissegment-Formel für jeden Rundtank verwenden?
Sie liefert nur eine Näherung für einen idealisierten liegenden Zylinder. Reale Tanks mit gewölbten Böden oder Einbauten weichen davon ab, weshalb für exakte Werte die Herstellerpeiltabelle nötig ist.
Wie oft sollte ich den Füllstand kontrollieren?
Eine Kontrolle vor jeder Bestellung sowie zu Beginn und Ende der Heizperiode reicht für die meisten Haushalte aus, um Bestellmenge und Restbestand realistisch einzuschätzen.
Quellen
Informationen zu Peiltabellen und Tankgeometrie nach DIN 6608: Tankanlagen.com (Peiltabellen-Datenbank). Allgemeine Hinweise zur Öltankanzeige und Füllstandsmessung: Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) sowie Verbraucherzentrale.


